Ilselore Bader-Schönfeld, im Diakonischen Werk verantwortlich für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), geht Ende Juli in den Ruhestand. Die Evangelische Wochenzeitung "die KIRCHE" hat der verdienten Mitarbeiterin und ihrer 36-jährigen beruflichen Tätigkeit im diakonischen Dienst in der aktuellen Ausgabe (Nr. 28 vom 09. Juli) die Rubrik "Lebensweg" gewidmet. Diakonie-Portal.de veröffentlicht gern den Text. Offiziell verabschiedet wird Ilselore Bader-Schönfeld am 13. Juli, 13:00 Uhr, in ihrer Dienststelle in der Schönhauser Allee 141:
Ilselore Bader-Schönfeld
Sie wollte Theologie studieren, aber Pfarrerin werden, das konnte sie sich für sich nicht vorstellen. Als Ilselore Bader-Schönfeld 1967 ihr Examen machte, war sie die Erste, die die Kirchliche Hochschule in West-Berlin mit einem Magister und nicht mit dem Ersten Theologischen Examen der Kirche verließ. Sie hatte Lust, in den Journalismus zu gehen, doch das klappte nicht und so entschloss sich die 24-Jährige, erst einmal als Religionslehrerin zu arbeiten. In Berlin, wo Religion auch damals kein ordentliches Lehrfach war, gefielen ihr die Arbeitsbedingungen nicht und sie ging an ein hessisches Gymnasium. Bis 1968 war sie in Dillburg, dann kam sie der Liebe wegen zurück.
Ilselore Bader-Schönfeld bewarb sich einfach mal so beim Diakonischen Werk in West-Berlin und hatte Glück. Gerade wurde jemand gesucht, der sich um die FSJler kümmert, die Jugendlichen, die zwischen Schule und Ausbildung bzw. Studium ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ in einer Einrichtung wie einem Krankenhaus oder einem Kindergarten absolvieren. Sie nahm die Stelle an und blieb 36 Jahre.
„Alle zehn Jahre habe ich mal überlegt, ob ich nicht wieder in die Schule zurück gehen oder doch noch Pfarrerin werden sollte“, sagt sie. Doch letztlich gefiel ihr die Aufgabe, die sie hatte, besser. Jedes Jahr kam eine neue Gruppe junger Menschen, die sie begleitete und betreute. Am Anfang, in West-Berlin, waren es zwölf, heute mit ganz Berlin und Brandenburg sind es 95 Jugendliche. „Es ist spannend zu sehen, was sich bei manchen in einem Jahr tut“, meint sie. Zu ihren Aufgaben gehört nicht nur, Bewerberinnen und Bewerber für das Freiwillige Soziale Jahr auszuwählen, eine passende Stelle in einer diakonischen Einrichtung zu finden und dann zwischen Arbeitgeber und Jugendlichen, die hier meist ihre ersten Berufserfahrungen machen, zu vermitteln. Sie leitet auch die drei Seminarwochen, die es für jeden Jahrgang gibt. In den 70er Jahren ging es manchmal hoch her, alles wurde diskutiert, ihre Autorität in Frage gestellt. Doch diese Arbeit hat ihr immer großen Spaß gemacht. „Ich mag das Dialogische in meinem Beruf. Man bekommt sofort eine Rückmeldung von den Leuten.“
Ilselore Bader-Schönfeld war mal verheiratet, sie hat eine erwachsene Tochter, mit der sie sich fas täglich SMS schreibt. Sie lebt in ihrem Elternhaus in Berlin-Mariendorf und liebt es, im kleinen Garten zu arbeiten. „Das entspannt.“ Mit 50 Jahren hat sie angefangen, Gitarre spielen zu lernen. „Ich musste mich dabei so konzentrieren, dass ich nicht dazu kam, an die Arbeit zu denken.“ Aber das regelmäßige Üben wurde zum Problem. Heute singt sie im Kirchenchor.
Wenn sie in ein paar Wochen mit 63 Jahren in den Ruhestand geht, muss sie nicht mehr mit dem Wecker aufstehen – was sie nicht mag – und kann vermutlich alle ihre abonnierten Zeitungen endlich vollständig lesen. „Aber auf die Rente freuen, das ist bei mir nicht.“ (Autorin ist Amet Bick)









